Tödliche Sicherheit 1
Sinnlose Sicherheitsmassnahmen im Luftverkehr kosten über tausend Menschenleben an Zeit pro Jahr - eine Angleichung von Sicherheitsmassnahmen im Luftverkehr an die bestehenden Sicherheitsmassnahmen im Bus- und Bahnverkehr kann hier Abhilfe schaffen.
Sicherheit durch dummes Geschätz? Nach dem Terrorplot von London und den Zugbomben in Deutschland wird allerorten der Ruf nach mehr Kontrollen laut: Gepäckdurchleuchtung auf Bahnhöfen, mehr Kameras, mehr Datenschnüffelei, Verbot von Wasser und Laptops in Flugzeugen und andere Grausamkeiten gegen Reisende werden derzeit als Mittel gegen den islamistische Selbstmordattentäter und sonstige Terroristen diskutiert. Allerdings tun sich die Sicherheitsrhetoriker der Unionsparteien vor allem mit völlig unpraktikablen Vorschlägen hervor, wie etwa CDU-”Innenexperte” Clemens Binninger, der Rail-Marshalls (aka bewaffnete Zugbegleiter) einführen will und offenbar noch nie was von der Bundespolizei gehört hat, die seit 1992 die Aufgaben der ehemaligen Bahnpolizei und der Transportpolizei der DDR wahrnimmt und auch für die Sicherheit auf Flughäfen zuständig ist. Einfach eine Milliarde für ein paar tausend zusätzliche Beamte, und schon sind die Züge sicher, dank Röntgenblick unserer neuen Super-BuPos. Blöd nur, wenn die Bombe gar nicht im Zug, sondern im LKW am Bahnübergang ist. Egal, dann stellen wir noch mal fünfhunderttausend Transportbegleiter beim Bundesamt für Güterverkehr ein, das sollte sich doch aus der Autobahnmaut finanzieren lassen - oder wie hat der Herr Innenexperte sich das vorgestellt? Komplett unrealistisch und damit wirkungsfrei ist der Vorschlag von Norbert Geis, der “die gleichen Sicherheitsmassnahmen in Zügen wie derzeit in Flugzeugen” fordert, was definitiv das Ende des Zugnahverkehrs bedeuten würde, denn wer würde noch S-Bahn fahren, wenn er eine halbe Stunde vor Abfahrt da sein müsste. Auf so ewas kann man wohl nur kommen, wenn man in Kleinkahl-Edelbach wohnt und in Berlin nur Limousine fährt. Unions-Fraktionsvize Wolfgang “Susanne-Osthoff-soll-zahlen” Bosbach wirft immerhin die zumindest nicht völlig unvernünftige Wiedereinführung der Kronzeugenregelung in die Diskussion, was wohl den Ausstieg aus einer terroristischen Vereinigung erleichtern soll. Die Effektivität bei Selbstmordattentätern und bei in sehr andersartigen Gesellschaften verankerten Menschen darf wohl bezweifelt werden, aber für einheimische politische Extremisten und Mafiosi kann es was bringen, und es ist vielleicht auch was für pakistanische Migrantenkinder, mit denen die Engländer offenbar Probleme haben. Allerdings ist die Wiedereinführung der Kronzeugenregelung eh im Koaltionsvertrag von 2005 vereinbart, insofern ist verdient diese Forderung das Prädikat “Grösstenteils Harmlos”. Ob nun Terror-Trittbrettfahrer mit politischem Kalkül oder hilflose Rechtspopulisten, es sind auch die hirnarmen Sensationsjournalisten, die den Schwachsinn verbreiten und die sich zu Komplizen der Terroristen machen, indem sie unter Ausblenden von Tatsachen auflagenfördernd Angst und Schrecken verbreiten, ohne aber die Sicherheit auch nur im geringsten zu erhöhen, sondern im Gegenteil Menschenleben vernichten, indem als Folge sehr viele Menschen Lebenszeit und Geld mit nutzlosen Pseudosicherheitsmassnahmen verschwenden. Sinnlose Passagierschikanen nach 9/11Nach den Flüssigsprengstoff-Terrorplanungen von London ist klar: die seit 9/11 verschärften Sicherheitsmassnahmen am Flughafen hättem niemanden daran hindern können, Flüssigsprengstoff an Bord eines Flugzeugs zu bringen, und die neuen Massnahmen können es vielleicht erschweren, was aber irrelevant ist, weil die Sicherheitsmassnahmen auch niemanden daran hindern, festen Sprengstoff an Bord zu bringen, sofern er nur ordentlich verarbeitet ist, etwa als Schuh, Baumwolljacket, Laptopbatterie, iPod oder Märchenbuch. Sie hindern auch niemanden daran, mit einer Boden-Luft Rakete ein startendes Flugzeug abzuschiessen, oder einen Flugkapitän daran, sich zu entscheiden, in ein Kernkraftwerk oder vollbesetztes Stadion zu fliegen, oder eine Privatmaschine gegen eine Boeing 747 im Landeanflug zu steuern. Und obwohl die Kontrollen am Flughafen keine Sicherheit gegen all die genannten Szenarien bieten, ist Fliegen immer noch sicherer als jede andere Art der Fortbewegung einschliesslich zu Fuss gehen. Fliegen ist mittlerweile einfach zu sicher. Das liegt wohl zum einen daran, dass bereits der Sturz aus relativ geringer Höhe für Menschen fatal ist und dadurch allein Höhe bereits Todesangst auslösen kann. Zum anderen war Fliegen früher zunächst nur etwas für vermögende Privatleute, Politiker und Geschäftsreisende, und somit war das Flugzeug als Verkehrsmittel der Elite besonders beliebtes Anschlags-ziel, und aus taktischen Gründen wie seiner Beweglichkeit und gut kontrollierbaren Zugänge beliebtes Ziel für Entführungen. Mittlerweile fliegen aber breite Bevölkerungsschichten, und die Entführungen vom 11. September 2001 haben die Schwelle für Flugzeugentführungen wesentlich erhöht: Arabisch sprechende Entführer müssen nun mit einem gewaltsamen Aufstand der Passagiere rechnen. Allerdings gibt es seit den sechziger Jahren pro Jahr 20-30 Flugzeugentführungen, und vor allem der Luftverkehr zwischen Cuba und den USA scheint regelmäßig gegen den Willen des Piloten zu erfolgen, auch nach 9/11/2001, seit den 1980er Jahren aber überwiegend von Cuba in die USA, während in den 60er und 70er Jahren vor allem Amerikaner Flugzeuge nach Cuba entführt haben. Flugzeuge stellen auch aufgrund ihrer vermeintlichen Fragilität sicher noch immer ein bevorzugtes Terrorziel dar, aber Nahverkehrszüge und Busse stehen dem nicht viel nach. Da sich beide nicht wirkungsvoll und mit vertretbarem Aufwand schützen lassen, stellt sich die Frage, warum eigentlich der Reisende im Luftverkehr derartigen Behinderungen und Belästigungen ausgesetzt wird, denn die Zahl von Flugzeugentführungen in den letzen 30 Jahren hat sich durch mehr Kontrollen nur unwesentlich verändert, allenfalls verlagert. Die Kosten der KontrollenDie Ärgernisse und Kosten wirkungsloser Sicherheitsmassnahmen wie Schlangestehen, Tasche auspacken, Hände vom Körper halten, Schuhe ausziehen, Gürtel umdrehen, Abtasten lassen und eventuell den ganzen Kram auspacken, das gibt es sonst nur im Gefängnis und am Flughafen. Nicht beim Militär, nicht beim Passieren des eisernen Vorhangs im kalten Krieg, ja nicht einmal, wenn man den Kanzler oder den Bundespräsidenten treffen will, wird man einer derart entwürdigenden Behandlung ausgesetzt. Der Verlust von Zeit, Geld und Lebensqualität durch die Kontrollen ist unverhältnismässig geworden. Bei rund 18 Mio. Starts pro Jahr werden pro Flug ca. 150 Passagiere befördert, dass sind 2,7 Mrd. Einsteigevorgänge pro Jahr. Könnte jeder dieser Einsteigevorgänge um 15 Min. verkürzt werden, wären das 675 Mio. Stunden nutzbarer Lebenszeit. Ein Mensch hat in seinem Leben rund 500.000 wache Stunden; die Sicherheitskontrollen kosten also jährlich allein die Zeit von weit über tausend Menschenleben, die Zeit des Sicherheitspersonals nicht mitgerechnet. Rechnet man noch Kosten von ca. $5 je Einsteigevorgang hinzu, sind mindestens 10 Mrd. Dollar verschwendet. Taxiert man nun zugebenermassen etwa zynisch, aber realistisch den Wert eines Menschenlebens (weisser Amerikaner aus der Mittelschicht) auf 10 Mio. Dollar (Lybien hat 2,7 Mrd. für die 270 Toten von Pan Am 103 gezahlt ), so kommt der Gegenwert weiterer 1000 Menschenleben hinzu. Vermutlich müssten Terroristen alle vierzehn Tage ein Flugzeug vom Himmel holen, um denselben Effekt zu erreichen, vorausgesetzt, die Menschen würden sich dadurch nicht davon abhalten lassen, einfach weiter zu fliegen, denn das Flugzeug bliebe auch dann noch das sicherste Verkehrsmittel. Die Kosten des Terrors Im Durchschnitt sind von 1968-2003 etwa 411 Menschen/Jahr Terroranschlägen zum Opfer gefallen, das ist etwa 1% der jährlichen Verkehrstoten in den USA, und allein in der Schweiz bringen sich jährlich dreimal so viele Menschen selbst um, wie weltweit dem Terror zum Opfer fallen. Allerdings sind Terroranschläge in einem Land Gift für Tourismus (-50%), ausländische Direktinvestitionen (-10 bis -15%), pro-Kopf Konsum (-5%), Investitionen (15-30%), Aktienmarkt (-10% Ertrag), Aussenhandel (-4%) und damit Volkseinkommen (-10%) und Wachstum. Andauernder Terror kann dadurch ein Land in seiner Entwicklung erheblich behindern, die Zahlen sind aus gut untersuchten Beispielen im Baskenland, in Griechenland und vor allem Israel, das ohne massive amerikanische Wirtschafts- und Militärhilfe wohl nicht lebensfähig wäre. Bekämpfung des Terrors: die PraxisDer viel größere Schaden entsteht also durch die psychologischen Effekte des Terrors, aber die sind umso grösser, je mehr Beachtung man dem Terror schenkt. Die effektivste Art, den Terror zu bekämpfen, wäre ihn einfach zu ignorieren. Leider ist das Gegenteil der Fall. Insbesondere die Massnahmen nach 9/11 sind an Absurdität kaum zu überbieten: Hunderttausende von Nagelscheren und Taschenmessern landeten im Müll, obwohl allen hätte klar sein müssen, das eine Wiederholung der Vorfälle vom 11. September ausgeschlossen ist, solange nicht mindestens die Hälfte der Passagiere Terroristen sind: anderenfalls wären Entführer nicht in der Lage, sich allzu lange zu behaupten, da die Passagiere davon ausgehen müssen, bereits eh tot zu sein und ohne Rücksicht auf Verluste gegen die Entführer vorgehen werden. Da vermutlich mehr als 99,99999% aller Fluggäste harmlose Reisende sind, wäre es nur konsequent, diese Reisenden in die Lage zu versetzen, sich besser gegen etwaige Entführer zur Wehr zu setzen, statt ihnen demnächst vielleicht noch ihre Kleidungsstücke wegzunehmen. In Deutschland besitzen rund 10% aller Haushalte legal eine Schusswaffe, und es gibt vermutlich zehn Millionen illegale Schusswaffen in Deutschland. Dennoch habe ich in meinem Leben noch keine Schiesserei im Zug oder in der Stadt beobachtet, trotz fehlender Metalldetektoren. Wozu also der Quatsch am Flughafen? Zumindest auf innereuropäischen Flügen ist es absolut überzogen, jeden Passagier zu kontrollieren; zur Durchsetzung eines Verbots von Waffen und gefährlichen Gegenständen reichen Stichproben völlig aus, so wie bei jeder vernünftigen Grenzkontrolle. Die heutigen Kontrollen an Flughäfen sind bereits strenger, als die Kontrollen bei der Überquerung des eisernen Vorhangs zu Hochzeiten des kalten Krieges je waren. Die Reisezeit auf innerdeutschen Flügen erhöht sich um bis zu 50%, weil Gepäck und Passagiere sicherheitsgeprüft werden. Warum nicht bei Non-Stop Flügen einfach mit Koffer zum Flieger, wie bei Zug oder Reisebus auch, und das Gepäck wird direkt verstaut? Fliegen so bequem und sicher wie Zugfahren: das wäre doch was. Das einzige, wozu die Kontrollen an Flughäfen führen, ist, das nunmehr grosse Bomben in Zügen platziert werden. Wo ist da der Sicherheitsgewinn für die Gesellschaft? Und wenn Züge kontrolliert würden, dann kommen die Bomben eben in Busse. Und wenn Busse kontrolliert werden, dann eben Volksfeste, Konzerte, Schulen, Wohnhäuser, Hotels, Campingplätze oder Arbeitsagenturen. Wohin der jetzige Weg führt, kann man an Israel sehen. Oder in Bagdad. Bekämpfung des Terrors: die TheorieWas also tun? Den Terror zu ignorieren wäre zwar vernünftig, aber Menschen sind bekanntermassen nicht vernünftig und wollen sehen, das etwas unternommen wird. Es wäre sicher gut, den Menschenrechten weltweite Achtung zu verschaffen, denn Terror speist sich vor allem aus Folter, gewaltsamer Unterdrückung, Rassismus und Gier. Leider gibt vor allem die Grossmacht USA weiterhin dem Terror reichlich Nahrung. Das muss aufhören. Allerdings würde es wohl mindestens fünfzig Jahre dauern, bis die Früchte davon spürbar würden, und das ist nicht nur viel länger als eine Legislaturperiode, sondern auch zu lang für die Wähler, und selbst dann wird Terror nicht völlig verschwinden, irgend eine extremistische Gruppe wird wohl immer unzufrieden mit dem Status Quo sein und eventuell zum Terror greifen. Es gibt einen interessanten sozialwissenschaftlichen Rationalansatz, der weitere Möglichkeiten aufzeigt, als Terrorismus stupide mit Drohungen, Sanktionen und den Einsatz von Polizei und Militär zu bekämpfen, wodurch im Endeffekt eine Gewaltspirale weiter genährt wird, solange man nicht bereit ist, konsequent Völkermord und ethnische Säuberung zu betreiben. Leider hat der Rationalansatz einige schwerwiegende Nachteile, etwa, dass man den Terroristen attraktive friedliche Möglichkeiten geben muss, ihre Ziele (Macht, Einfluss, Eigentum) zu erreichen, wozu in der Regel keine Bereitschaft besteht. Was zur Zeit abläuft, ist ein sogenanntes Deterrence-Preemption Spiel. Deterrence (Abschreckung) ist das Erschweren von Anschlägen durch Sicherheitskontrollen. Preemption (Zuvorkommen) ist das Ausschalten von Terroristen durch Angriffe auf ihre Basen und das Aufspüren, bevor sie zuschlagen. Jeder Staat kann hier unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die Terroristen können wiederum zwischen wenigen, spektakulären oder vielen “normalen” Anschlägen wählen. Die Terroristen in Israel setzen eher auf “normale” Anschläge, dies führt zu exzessiven Preemption-Massnahmen. In Europa hingegen setzen die Terroristen auf wenige spektakuläre Anschläge, die Preemption-Massnahmen ineffektiv und damit unzureichend machen und die Gefahr der Kompensation durch “Deterrence” nach sich ziehen, worunter alle Bürger zu leiden haben. Deterrence im Inland zieht als Externalisierungseffekt nach sich, dass Anschläge, auch auf Deutsche, ins Ausland verlagert werden. Deutschland verfügt von Hause aus offenbar aufgrund der ausgeprägten Bürokratie mit Personalausweisen, Meldepflicht und vielfältigem Genehmigungswesen bereits über ein hohes Deterrence-Potential im Vergleich zu vielen anderen Ländern. Was also folgt daraus? Noch mehr Abschreckung durch Kontrollen verringert die Häufigkeit “normaler” Anschläge in Deutschland und erhöht die Wahrscheinlichkeit weniger, spektakulärer Anschläge in Deutschland und die Häufigkeit normaler Anschläge wie etwa Entführungen im Ausland. Was tun? Wenn man sich nun partout dem Rationalansatz verweigert, wäre mehr Preemption die vernünftigere Strategie. In der Praxis bedeutet das mehr Resourcen für nachrichtendienstliche Aufklärung, Infiltration von Terrorgruppen und gute Beziehungen und Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern. Die entscheidenden Hinweise auf die Identität der Bahnattentäter kamen wohl auch aus dem Libanon. Auf keinen Fall können wir aber mehr ziellose Repression gegen Millionen harmloser Bürger in Form verschärfter Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen gebrauchen. Im Luftverkehr ist der Bogen bereits überspannt, und es wird höchste Zeit, das hier zurückgerudert wird. Kafkaeske NoFly-Listen und das Erschiessen geistig verwirrter Passagiere durch SkyMarshalls wie in den USA ist eine Form staatlichen Exzesses, der durch nichts zu rechtfertigen ist, auch nicht durch 9/11, und der am Ende den Nährboden für ganz neuen Terror aus der Mitte der Gesellschaft bilden wird, denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Instrumente, die jetzt zur Abwehr einer äußeren Gefahr eingeführt werden, gegen etwaige aufbegehrende Unterprivilegierte im eigenen Land zum Einsatz kommen. Die deutschen Regierungsparteien haben durch ihre Bestrebungen, das Mautsystem zu Überwachungszwecken zu missbrauchen, weitgehend an Glaubwürdigkeit verloren, und in den USA ist der Missbrauch von Anti-Terrorgesetzen gegen Bürgerrechtler leider längst kein Einzelfall mehr. Jeder einzelne und die vor allem Politik und Presse ist aufgerufen, auch dann einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn der erste spektakuläre Anschlag in Deutschland Erfolg hat, was eigentlich nur noch eine Frage der Zeit ist, und sich anschliessend klug zu verhalten und erst einmal abzuwarten, statt der Versuchung zu erliegen, mit grossen Sprüchen grosse Dummheiten zu verbreiten und zu begehen.
Offener Brief an die Bundesregierung zur Urheberrechtsnovelle
Werte Frau Bundeskanzlerin Merkel,
Liebe Frau Bundesministerin Zypries,
Sehr geehrte Damen und Herren Kabinettsmitglieder,
was Sie da gestern beschlossen haben, ist ein grosser Haufen Scheisse, der mächtig zum Himmel stinkt. Ich glaube, dass Sie sich überhaupt nicht darüber im klaren sind, was Sie da angerichtet haben. Falls dieser Beschluss so umgesetzt werden sollte, was ich für ungewiss halte, hätten Sie dem Recht, den Menschen in Deutschland und insbesondere den Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen einen Bärendienst erwiesen, indem sie das Kopieren von medialen Kulturgütern für den Privatgebrauch zu einer Straftat machen.
Sie haben in ihrer Aufgabe, das Recht und das Rechtwesen in diesem Land fortzuentwickeln, nicht einfach versagt, sondern sind dabei, fahrlässig Schaden anzurichten: Wer Gesetze erlässt, die von Menschen als grob ungerecht empfunden werden, schädigt das Recht und Gesetz an sich und fördert Politikverdrossenheit. Er lädt ausserdem Staatsanwälten und Richtern zusätzliche Lasten auf und hält sie davon ab, echte Straftäter zu verfolgen und echte Opfer zu schützen.
Ihr Gesetzesnovelle ist auch grob unsozial: sie trifft vor allem Menschen, die sich überteuerte Originale nur selten leisten können und auf das Kopieren im Freundeskreis angewiesen sind, dazu zählen überwiegend Kinder und Jugendliche. Ihr Gesetz richtet sich in besonderem Maße gegen Familien und sozial Schwache, die dann bereits durch Verfahrenskosten in existentielle Not geraten können. Wenn Sie glauben, das sei übertrieben, dann ist ihr ministerieller Kokon in den letzen Jahren wohl vollkommen undurchlässig geworden: Computergenerierte Massenabmahnungen und Massenstrafanzeigen gegen Jugendliche und ihre Eltern sind bereits jetzt Realität. Wollen Sie darauf demnächt mit Massencomputerverurteilungen reagieren? Oder wollen Sie die sozialen Transferleistungen erhöhen, damit sozial Schwache mehr Geld bei den Medienunternehmen lassen können?
Das schlimmste aber sind die langfristigen Auswirkungen auf die Bewahrung und Verbreitung von Kulturgütern. Wenn das Kopieren technisch und gesetzlich immer mehr erschwert wird, werden viele Kulturgüter für immer verloren gehen. Theoretisch lassen sich Filme, Bücher und Musikstücke in Datenbanken einigermassen bewahren, aber selbst der grösste Internet Shop für Musik, Apple Itunes reicht bei seinen Titeln nicht an ein Rundfunkarchiv aus den 1970er Jahren heran. Und alte Computerspiele und interaktive multimediale CDs sind bereits jetzt durch die technische Entwickung von unwiederbringlichem Verlust bedroht, und Ihr Gesetz kriminalisiert jetzt auch noch diejenigen, die elektronische Kultur bewahren wollen. Schämen Sie sich eigentlich nicht?
Ihr Gesetz geht in die komplett falsche Richtung: Es verstärkt ein bereits jetzt bestehendes Ungleichgewicht zugunsten der Rechteinhaber und zu Ungunsten der Bürger, denen oft nicht hinnehmbare Einschränkungen bei der Nutzung zugemutet werden, etwa bei Un-CDs und Sabotagesoftware. Statt offensiv gegen Praktiken wie etwa der Untestützung von Raubkopierern durch die GVU und das Verleiten von Jugendlichen zu Straftaten vorzugehen, machen Sie Gesetze gegen die Opfer. Und mit dem Auskunftanspruch unterstützen Sie sogar die bisher illegal praktizierte breite Ausspähung von Internetnutzern durch private Unternehmen, ein unerhörter Vorgang.
Eine zeitgemässige, zukunfts- und verbraucherorientierte Novelle des Urheberrechts und anderer Gesetze würde in eine ganz andere Richtung zielen:
- Verbot von Un-CDs
- Strafgesetze gegen Sabotagesoftware in Produkten
- Generelles Verbot von technischen Massnahmen, die dauerhaft das Kopieren verhindern (allenfalls Kopierschutz auf Zeit)
- Filme, Musik und Software sollten nach 20 Jahren, besser nach 10 Jahren generell frei kopiert werden dürfen; Kopierschutz und DRM sollte grundsätzlich verboten sein, außer wenn ein Datenträger mit dem Werk und die Schlüssel für das Entsperren technischer Schutzmassnahmen bei der Veröffentlichung bei mehreren staatlichen Treuhändern hinterlegt werden
- Einführung einer pauschalen Vergütung von Rechteinhabern für Privatkopien ab dem Zeitpunkt, ab dem kein technischer Kopierschutz besteht; keine Vergütung für technische geschütze Veröffentlichungen
- Einrichten eines zentrales Archivs aller ausgestrahlten Rundfunksendungen mit freiem Zugriff über das Internet für Zahler von Rundfunkgebühren
- Verpflichtung von Herstellern zur Herausgabe technischer Informationen über Datenformate von Softwareprodukten
- Recht auf Umgehung technischer Schutzmassnahmen, die das Kopieren erschweren
- Stärkung des Rechts auf Reverse Egineering und freie Veränderung von Hard- und Software; generelle Ungültigkeit abweichender Lizenzbedingungen
- Grosszügiges Recht auf freie auzugsweise oder verfremdete Verwendung von Bildern, Musik, Text, Film und Software in eigenen künstlerischen Schöpfungen
- Recht auf Anonymität im Netz; Preisgabe der Zuordnung von IP-Adressen zu Identitäten nur bei Verdacht auf schwere Strafdaten
- Schaffen eines Vergütungssystems, das alle Kulturschaffenden, z.B. auch Blogger, Open Source Programmierer, Podcaster, Verfasser von Internet-Ratgebern und Amateurmusiker mit einbezieht.
- Recht auf freien Internetzugang auch für sozial Schwache.
- Verbot des Filtern und der Zensur von Internet-Inhalten
- Schutz durch Pressegesetz auch für Internet-Autoren
- Verbot von Grundverschlüsselung von Fernsehprogrammen
- Verbot von technischen Maßnahmen, die das Aufzeichnen von Fernsehsendungen erschweren
Obwohl ich zu den Personen gehöre, die eher finanzielle Vorteile von Ihrem falschen Gesetz haben werden, sehe ich mich dazu veranlasst, im Rahmen meiner Möglichkeiten massiv darauf hinzuwirken, dieses falsche Gesetz zu verhindern, da der Schutz der Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten meiner Kinder und der soziale Frieden einen weitaus höheren Stellenwert für mich hat.
Ich fordere Sie auf, das Vorhaben zu überdenken und sich darüber bewusst zu werden, wen sie eigentlich vertreten und in wessen Interesse Sie zu handeln verpflichet sind. Im Übrigen werde ich mich darum bemühen, das mich in Zukunft Politiker regieren, die sich nicht derart offensichtlich vor den Karren einzelner Bracheninteressen spannen lassen.
Mit tiefer Verärgerung
Pavel Mayer.
P.S.: Stellen Sie sich die Welt vor, wenn seinerzeit die Musik- und Filmindustrie mit ihren Versuchen Erfolg gehabt hätte, die Compact-Cassette und den Videorekorder zu verbieten.
Bundeswehreinsatz bei der WM
So etwas kann auch nur Leuten einfallen, die nie bei der Bundeswehr waren, die Truppe bei der WM einzusetzen. Schäuble hat jedenfalls nicht gedient, und Schily hätte allenfalls in der Wehrmacht kämpfen können. Man könnte zur WM genausogut Sturmgewehre und Uniformen an Arbeitslose verteilen, die dann nach zehn Tagen Ausbildung Miliz spielen dürfen. Wem das absurd vorkommt: Bundeswehrsoldaten sind auch nur ein Querschnitt durch die deutsche männliche Bevölkerung, außer das sie jünger, impulsiver und nicht so gut ausgebildet sind wie der durchschnittliche Langzeitarbeitslose.
Die Bundeswehr bildet ihre Soldaten natürlich auch aus: die Wehrpflichtigen werden etwa beim Heer gar wochenlang darin geübt, sich getarnt im Gelände zu bewegen, Schützenlöcher auszuheben und alle Arten von Kriegswaffen abzufeuern, wenn man es Ihnen befiehlt. Hinzu kommt das Marschieren in Reih und Glied, Schuheputzen und 1a Betten machen. Und Knöpfe annähen nicht zu vergessen. Ach ja, als ehemaliger deutscher Elitesoldat habe noch drei Wochen lang gelernt, aus der offenen Tür eines Flugzeugs zu springen und bei der Landung die Füße möglichst so hinzuhalten, daß sie dabei nicht brechen. Hilft bestimmt ganz toll gegen Terroristen. Autofahren konnte ich schon vorher, aber zivile Führerscheine gelten nicht beim Bund, da muß man also nochmal einen Schein machen. Das trägt aber nur bedingt zur Verkehrssicherheit bei. In unserer Einheit gab es daher für je 1000 km (!) unfallfreies Fahren einen Tag Sonderurlaub. Erstaunlicherweise haben das viele Fahrer nicht hinbekommen; im Prinzip gab es keine größere Übung unseres Battalions ohne Blechschaden. Es gibt aber tatsächlich auch Ausbildung für Polizeiaufgaben: immerhin muß jeder Soldat lernen, seine Kaserne zu bewachen. Die Einweisung dafür dauerte auch einige Tage, denn es ist schon wichtig, wann und auf wen man beim Wachegehen in Friedenszeiten schießen darf und soll. Kurz gesagt: Wenn jemand auf Bundeswehrgelände angetroffen wird, darf man erst dann gezielt auf ihn schiessen, wenn er nach Anruf und ggf. Warnschuss in die Luft nicht stehen bleibt. Ist der Eindringling dagegen bewaffnet, dann darf man ohne Warnung das Feuer eröffnen. Theoretisch jedenfalls. In der Praxis werden Soldaten in deutschen Kasernen von bewaffneten Eindringlingen meist überwältigt, denn diese sind schneller, skrupelloser und auf Gewalt vorbereitet. Als wachhabender Soldat trifft man beim Wachdienst, wenn man überhaupt mal jemanden trifft praktisch immer nur auf Kameraden. Bundeswehrsoldaten haben generell im Frieden eher das Problem, im Notfall gar nicht oder zu spät das Feuer zu eröffnen, denn der Umgang mit scharfer Munition beim Bund ist sehr restriktiv. Es gibt nur drei Anlässe, bei denen scharfe Munition ausgeben wird: Beim Wachdienst bekommt jeder ein volles Magazin mit zwanzig Schuss für sein G3, und ein zweites Reservemagazin. Die bekommt man aber jeweils nur für die zwei Stunden, in denen man auch aktiv ist, danach wird alles wieder eingesammelt. Der zweite Anlass sind Schiessübungen auf der Standortschiessanlage: Da muss man sich dann anstellen und bekommt je Durchgang fünf Schuss ausgehändigt, mit einem Ritual: Der Munitionsausgeber sagt: "Fünf Schuss Munition übergeben", und der Empfänger sagt: "Fünf Schuss empfangen". Wer jetzt glaubt, man könne diese Munition einfach in die Waffe stecken. irrt: Das geht auch wieder erst auf Befehl, wenn man in Position ist. Wegen der Sicherheit. Die wird nämlich dort tatsächlich gross geschrieben. Ganz selten, meist nur ein oder zweimal während der gesamten Dienstzeit kommt es vor, das bei einer Gefechtsübung auf speziellen Übungsplätze scharf geschossen wird; dann bekommt man Munition für einen ganzen Durchgang, ohne daß einem bei jedem einzelnen Schuss auf die Finger gesehen wird. Bundeswehrsoldaten laufen im Dienst in Deutschland fast immer entweder unbewaffnet herum, oder haben zwar Waffen, aber keine Munition. Im besten Fall gibt es Platzpatronen. Die leichteste Art, sich in Deutschland ein Gewehr zu stehlen, ist es einem herumlaufenden Grundwehrdienstleistenden abzunehmen. Wenn man selbst bewaffnet ist, kann man auch gleich einer ganzen Gruppe auflauern und ihr alle acht Gewehre abnehmen. Allenfalls nehmen Offiziere und selten Unteroffiziere gelegentlich eine geladene Pistole mit, um die Einheit vor so etwas zu schützen. Mir jedenfalls war oft mulmig, wenn ich mit Waffen, aber ohne eine einzige Patrone unterwegs war. Wofür die Bundeswehr überhaupt nicht taugt ist die Bewältigung überraschender Situationen, die Sachverstand und Fingerspitzengefühl erfordern, etwa wenn ein Fahrzeug im Gelände stecken bleibt. Die Wahrscheinlichkeit, schnell wieder flott zu werden sinkt proportional mit der Anzahl von anwesenden Offizieren; ich habe es miterlebt, wie bei dem Versuch, einen festgefahren VW Iltis flottzumachen dessen Dach, drei Unimogs und zwei Bäume dran glauben mussten. Dass die Bundeswehr selten flexibel und effizient agiert, wissen auch die Soldaten und Befehlshabende selbst, daher geht man bei wichtigen Anlässen auf Nummer sicher und versucht es mit Overkill. Wo ein erfahrener Mitarbeiter mit Entscheidungsbefugnis reichen würde, nimmt man halt zehn Soldaten, die dann so lange nichts tun und verhindern, daß jemand was tut, was vielleicht falsch sein könnte, bis ein erfahrener Mitarbeiter mit Entscheidungsbefugnis eintrifft. Denn Soldat sein heisst vor allem Warten, und "die meiste Zeit des Lebens - wartet der Soldat vergebens." Ach ja, das beste von allem: Da die Bundeswehr den einfachen Soldaten eh nicht traut, gibt es für Soldaten auch keine regulären Sicherheitüberprüfungen. Daher wird man bei der Bundeswehr auch alles an Leuten finden, die man auf der Strasse trifft. Abiturienten, Schläger, Bankkaufleute, Hooligans, Drogenhändler, Spiesser, Rechtsradikale, Russlanddeutsche, Fußballfans und türkische Rapper. Mit Sicherheit sind auch Islamisten dabei. Ein Bundeswehrsoldat mit geladenen Kriegswaffen in der Nähe eines vollbesetzten Stadions oder einer Menschenmenge wäre vermutlich die grösste Gefahrenquelle weit und breit. Und selbst wenn er gutwillig und besonnen ist: Falls etwas passiert, hat der Bundeswehrsoldat die Wahl zwischen drei grossartigen Möglichkeiten: abhauen, zusehen oder das Feuer eröffnen. Ich sehe schon die Schlagzeilen. Und unbewaffnete Soldaten sind allenfalls teure Parkplatzeinweiser. Die einzigen, die ernsthaft helfen könnten, wären die Feldjäger, die Polizisten bei der Bundeswehr. Die haben auch Blaulicht und nichttödliche Waffen. Bei dem letzen Einsatz, das fünfzigjährige Bundeswehrjubiläum haben die Feldjäger die Einsatzleitung gemacht, und Bundespolizei und Berliner Polizei haben geholfen. Ich habe in fünf Jahren beinahe täglicher Regierungsvierteldurchquerung noch nie eine derart übertriebene großräumige Absperrung der Innenstadt gesehen, nicht mal bei Putin, Bush oder Sharon. Auch wussten nicht einmal die eingesetzen Beamten vom Ausmass der Sperrung, so dass etliche Radfahrer und Fussgänger hilflos und wütend umherirrten, weil sie von plan- und ahnungslosen Beamten geradewegs in die nächste Absperrung geschickt wurden. Und zu Ausschreitungen kam es am Ende trotz exzessiver Absperrung doch noch. Es war außerdem auch schön zu beobachten, wie unterschiedlich die verschieden Beamten darauf reagiert haben, wenn man sie angesprochen hat: Ein Beamter der Berliner Polizei gab mir freundlich und bereitwillig Auskunft, einer von der Bundespolizei sagte irgend was von "Das geht Sie nichts an.", und der Feldjäger kriegte überhaupt kein Wort raus, auf die Frage, wer den jetzt diesen Einsatz hier leiten und zu verantworten hätte. Wenn das ein Vorgeschmack auf eine WM mit Bundeswehrbeteiligung sein soll, dann mache ich im Sommer lieber Urlaub im Ausland.
Menschenrechte 2

Aus gegebenem Anlass habe ich mir die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 angesehen.
Da die Erklärung etwas juristisch trocken rüberkommt, unspirituell und recht lang ist, habe eine auf dieser Menschenrechterklärung basierende kompakte Offenbarung der Menschenrechte für religiöse Menschen verfasst, die absolut ernst gemeint ist und vielleicht jemanden erreicht.
Da aber selbst diese drei Seiten Offenbarung möglicherweise zu lang und zu schwierig für Teile der Zielgruppe sein dürften, habe ich noch zwei zielgruppenspezifische, stark vereinfachte und leicht satirische Varianten geschrieben:
Menschenrechte für Muslime (Insbesondere Wahhabiten und Schiiten)
- Du darfst deine Religion frei ausüben und lehren.
- Du darfst Dir eine eigene Meinung über deine Religion und andere Religionen bilden.
- Du darfst deine Religion modernisieren.
- Du darfst deine Religion jederzeit wechseln, oder auch ohne Religion leben.
- Männer und Frauen haben die gleichen Rechte, auch wenn sie verheiratet sind.
- Niemand darf Dir körperlichen Schmerz zufügen, aber Du darfst auch deine Frau oder deinen Mann und eure Kinder nicht schlagen.
- Du darfst niemanden töten, auch keine Ungläubigen.
- Du darfst Dein Land verlassen und auch wieder dorthin zurückkehren. Nutze es, um andere Länder kennenzulernen.
- Du darfst dir Bilder und Filme ansehen, die nackte erwachsene Menschen bei sexuellen Handlungen zeigen.
- Du darfst dein Land und andere Länder öffentlich kritisieren und dich friedlich mit anderen Menschen zu Demonstrationen versammeln; du darfst dabei aber keine Scheiben einwerfen oder Häuser anzünden, auch nicht, wenn sie Dänen gehören, oder Du irrtümlich glaubst, sie würden Dänen gehören.
- Du darfst verlangen, dass dir jemand Lesen, Schreiben und Rechnen beibringt, ohne dass du dafür bezahlen oder sonstwie zu Diensten sein musst.
- Du hast das Recht, Kant, Spinoza, Voltaire, Hume, Locke, Herder und Lessing und in der Wikipedia zu lesen, wenn du kannst. Es wird deinen Horizont erweitern.
- Du darfst Geld, Land und Gegenstände besitzen, aber keine Menschen.
- Du darfst dich zwar in die Luft sprengen, aber nicht in der Nähe anderer Menschen.
- Du darfst aber auch leben und nach Glück auf Erden streben.
- Du hast das Recht, dich in deinem Land frei zu bewegen
- Du darfst lieben und geliebt werden.
- Du darfst anderen ihre Taten vergeben; probier es einfach mal.
- Du darfst Überzeugung an Stelle von Religion treten lassen.
- Du darfst allen anderen Menschen von diesen Rechten berichten. Sie haben dieselben Rechte.
Und weil mir aufgefallen ist, daß offenbar auch die Amerikaner Verständnisprobleme haben, wenn es um Menschenrechte geht, hier eine Version für unsere transatlantischen Freunde:
Menschenrechte für US-Amerikaner
- Jeder Amerikaner hat das Recht, persönlich ins Ausland zu fahren und dort Nichtamerikaner kennenzulernen.
- Jeder Amerikaner hat das Recht, sich nicht bombardieren zu lassen.
- Jeder Amerikaner hat das Recht, sich nicht mit abgereichertem Uran beschießen zu lassen.
- Jeder Amerikaner hat das Recht, ein Auto und ein Haus zu besitzen und eine Familie zu gründen.
- Jeder Amerikaner hat das Recht, sein Kaufverhalten, seine politische Meinung und sein Wahlverhalten von Fernsehwerbung bestimmen zu lassen. Er darf sich aber auch aus anderen Quellen informieren, Blogs im Internet zum Beispiel.
- Jeder Amerikaner hat das Recht auf Schutz vor willkürlicher Verhaftung, auch wenn er eine schwarze Hautfarbe hat.
- Jeder Amerikaner hat das Recht auf Schutz vor Entführung und Folter, auch in Guantamo, Osteuropa oder sonstwo.
- Jeder Amerikaner hat ein Recht auf Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, insbesondere Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität, Verwitwung und im Alter.
- Jeder Amerikaner hat das Recht, Urlaub zu machen.
- Jeder Amerikaner hat das Recht, mit anderen zu telefonieren und E-Mails auszutauschen, ohne das jemand ihn abhört oder mitliest.
- Jeder Amerikaner hat das Recht auf eine gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert
- Jeder Amerikaner hat das Recht auf vernünftige Begrenzung seiner Arbeitszeit.
- Jeder Amerikaner hat das Recht, seinen Präsidenten abzuwählen.
- Jeder Amerikaner hat das Recht, nicht mit digitalen Wahlmaschinen um seine Stimme betrogen zu werden.
- Jeder Amerikaner hat das Recht, die Sicherheit im Land von eigenen Polizisten und Soldaten schützen zu lassen.
- Jeder Amerikaner hat das Recht, mit seinen Steuergeldern Atomwaffen bauen zu lassen, solange andere Länder das auch tun.
- Jeder Amerikaner hat das Recht, sich zu betrinken oder sich mit anderen Drogen zu berauschen.
- Jeder Amerikaner hat das Recht, den Superbowl im Fernsehen zu sehen.
- Jeder Amerikaner hat das Recht, jederman und seinen Bruder wegen beliebiger Angelegenheiten vor Gericht zu verklagen.
- Jeder Iraker, Iraner, Chinese, Russe, Inder, Vietnamese, Palästinenser, Deutsche, Franzose, Däne oder andere Mensch hat dieselben Menschenrechte wie ein Amerikaner. Überall auf der Welt.
Der Islam gehört verboten
Nach der zur Staatsaffäre ausgewachsenen Veröffentlichung von nicht einmal besonders lustigen Mohammed-Karikaturen in der dänischen Tageszeitung Jyllands Posten ("Jütland Post") dreht die arabisch-islamische Welt frei; verschiedene arabische Länder haben ein Eingreifen der dänischen Regierung und eine Bestrafung des Chefredakteurs gefordert, boykottieren dänische Waren und greifen jetzt sogar dänische Helfer in arabischen Ländern an. Auf den ersten Blick sieht das aus wie eine Reaktion von übereifrigen Religionsanhängern, denen der Sinn für Humor und dreihundert Jahre Aufklärung fehlen.
Warum aber drehen vor allem Muslime so durch, wo doch ihre Religion die jüngste Weltreligion ist und angeblich auch die humanste. Fehlen den Muslimen einfach ein paar Jahrhunderte Religionsmodernisierung? Ich fürchte, so leicht ist das nicht. Muhammed und seine Nachfolger haben Staat und Religion so miteinander verwoben, daß eine Trennung von Kirche und Staat kaum vorstellbar ist. Muhammed war nämlich nicht nur Prophet und Religionsstifter, er war auch politischer Führer und Feldherr . (Und Kaufmann, nachdem er eine reiche Witwe geheiratet hat.) Der aus seinem Wirken entstandene Islam ist also nicht nur eine Religion, sondern eigentlich eine allumfassende Ideologie, die als Staatsform eine Theokratie verlangt, das sogenannte Kalifat, mit einem Nachfolger Mohammeds als Amtsinhaber. Papst und Präsident in einem.
Allerdings sind wohl seit 1258 aufgrund der Zersplitterung der islamischen Welt alle Versuche gescheitert, ein neues Kalifat zu errichten; ein echter Kalif wäre nämlich auch politisches Oberhaupt aller Moslems, aber da sind die jeweiligen Machthaber in den arabischen Ländern seit Jahrhunderten stets davor. Statt Kalifat gibt es vor allem die islamische Monarchie (Saudi-Arabien, Jemen etc.) oder in modernerer Form die Islamische Republik im Iran, deren Führer die Macht wegen ihres "in die Verborgenheit entrückten" letzten Kalifen Muhammad al-Mahdi nur treuhänderisch verwalten, bis er als Erlöser wieder auftaucht.
Der einzige, der es geschafft hat, den Islam dem Staat unterzuordnen, ist Mustafa Kemal Atatürk, der seinem Volk aber auch die lateinische Schrift, den Gregorianischen Kalender, das metrische System, den Sonntag statt Freitags als wöchentlichen Feiertag, das Schweizer Zivilrecht, das deutsche Handelsrecht und das italienische Strafrecht aufs Auge gedrückt hat. Kein Wunder, das die Türken ihn fast wie einen Gott anbeten. Was die Araber jetzt bräuchten, wäre ein Atatürk, der als Kalif anerkannt ist. Einer, der dann alle Moscheen dem Staat übereignet, alle Imane verbeamtet oder umschult, die arabische Schrift und das Tragen von Hidschab und Tschador verbietet, Frauen das Wahlrecht gibt, das stattliche Abhacken von Gliedmassen einstellt und die Lautstärke der Muezzin beschränkt. Zum Ausgleich gibt es das metrische System für alle, das Grundrecht auf eine Pilgerfahrt nach Mekka, die Abschaffung der Almosensteuer und der Fastenzeit. Ach ja, und Lesen und Schreiben müssen dann alle lernen - dass Muhammed Analphabet war gilt dann nicht mehr als Entschuldigung. Leider ist ein Kalif Atatürk nicht in Sicht; Saddam Hussein wäre es gerne gewesen, aber da waren die Amerikaner davor.
Für Europa und Deutschland bleibt nur, die meisten gängigen Formen des Islam als verfassungsfeindlich einzustufen und gegebenenfalls zu verbieten, insbesondere alles, was aus Saudi-Arabien kommt - da sind nämlich die Wahhabiten beheimatet, eine militante, dogmatische und reformfeindliche Richtung des Islam, die auf diesem Planeten keinen Platz haben darf, weil sie noch in tausend Jahren bedenkenlos im Namen Allahs morden wird, wenn man diese Ideologie nicht ausrottet. Die Wahhabiten erkennen z.B. die Schiiten nicht als Moslems an, sondern als Abtrünnige, die die Todesstrafe verdienen.
Manche Ideologien sind wie Infektionskrankheiten, und müssen auch so bekämpft werden - die Ideologien, nicht die kranken Menschen, die man vielleicht heilen kann. Denn sie wissen nicht, was sie tun. Die Krankheit Islam ist dabei recht ansteckend: Man muss nur in ehrlicher Absicht sagen: "Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer (dem einzigen) Gott und Mohammed ist der Gesandte Gottes." und schon ist man Moslem. Aber halt, bloß nichts überstürzen, raus kommt man dann nicht mehr so einfach, da ähnelt der Islam der Mafia: Wer raus will, wird mit dem Tod bestraft. Und das wird z.B. im Jemen sogar heute noch praktiziert, auch wenn man das nicht gern an die grosse Glocke hängt. Die Sunniten hingegen sind der zumindest der Auffassung, man müsse das islamische Recht weiterentwickeln und veränderten Zeiten und Umständen anpassen; leider haben die mit Saddam Husseins Sturz viel Einfluss verloren.
Die Schiiten habe sich übrigens gleich nach Mohammeds Tod abgespalten, weil die den Schwiegersohn Ali als Nachfolger von Muhammed sehen wollten; deshalb setzen sie hinter das Glaubensbekenntnis auch noch ein "und Ali ist der Freund Gottes". Außerdem verehren Sie noch ihre zwölf Kalifen, vor allem den letzten, der sich durch Verschwinden vor dem Tod gerettet hat, dessen Existenz aber von anderen Glaubenrichtungen komplett bestritten wird. Also, ich selbst glaube an Gott, den einen allmächtigen Gott, der das Universum geschaffen hat zu seiner und zu meiner Erbauung. Es fällt mir auch recht leicht an Gott zu glauben, da ich vor Jahren das grosse Glück einer Epiphanie hatte; Gott hat mich persönlich einen Blick auf das Universum werfen lassen, mit seinen Augen.
Wenn Muhammed und Jesus und andere so etwas regelmäßig hatten, wundere ich mich nicht, das sie eine Religion daraus machen mussten. Mit dem, was ich durch Gott sehen konnte, haben die religiösen Schriften zunächst wenig zu tun, aber nach meiner Epiphanie habe ich in so mancher Religion Dinge wiedererkannt, so wie bei einer schlechten Übersetzung einer japanischen Bedienungsanleitung oder eines technischen Textes durch technisch unbedarfte Übersetzer den Sinn erst versteht, wenn man ihn zurückübersetzt und eh Bescheid weiss.
P.S.: Die Amerikaner hätten lieber Saudi-Arabien besetzen sollen, da herrschen schlimmere Sitten als bei Saddam. Und die Dänen sollten ihre Muslime, die die Bilder in die arabische Presse getragen haben zu anderen Humorlosen schicken.
Deutsche Förderung der irakischen Entführungsindustrie
Und wieder geifern die Medien und die Populisten im Parlament: “Was hatten Sie auch im Irak suchen. Selbst schuld.” Das klingt so ähnlich wie: “Was mußte die Frau auch diesen kurzen Rock anziehen und nachts durch den Park gehen.”
Nachdem jetzt durch Dusseligkeit der Regierung auch dem letzten mittelständischen Verschleppunternehmer im Irak klar ist, das die deutsche Regierung schnell, zuverlässig und gut bezahlt für die Freilassung ihrer Bürger, war es nur eine Frage der Zeit, bis die nächsten dran sind.
Und Unions-Lösegeldvizeexperte Bosbach zeigt erneut die Grenzen seiner Weisheit auf mit Sprüchen, die Firma der entführten Ingenieure an den Kosten beteiligen zu wollen, und das, wo doch der Ausgang noch völlig offen ist - möchte wissen, ob er dabei bleibt, wenn die Männer das nicht überleben.
Dafür, das er damit völlig unnötig die Verhandlungsposition der Regierung schwächt (Ah, Firma gibt auch Geld, dann Preis natürlich höher.), sollte man ihm den Teil der Lösegeldsumme von seinen Bezügen abziehen, der das Osthoff-Lösegeld übersteigt. Oder der CDU-Fraktion in Rechnung stellen, die sich so einen Vizesprecher leistet.
Bosbach hatte sich ja bereits mit Sätzen hervorgetan wie “Und daneben gibt es ja noch die Frage, ob nicht, wenn Frau Osthoff doch noch relativ viel Geld bei sich hatte, sie sich zumindest mit einem Teil an den Kosten ihrer Befreiungsaktion beteiligen sollte. Das wird jetzt die Bundesregierung prüfen.”
Sind 3000 Dollar jetzt relativ viel Geld für die Bundesregierung? Oder spricht Herr Bosbach aus seiner Beinaheerfahrung als ALG2 Empfänger?
Das ist doch erbärmlich. Ist der Staat schon so arm, daß es Schutz nur noch gegen Geld gibt? Oder nur für Staatsbedienstete, wie im Fall Chrobog, der offenbar genug Geld besitzt und daher er angeboten hat, sich and den Rettungskosten zu beteiligen? Ich bezweifele aber, das er auch nur einen Cent zahlen wird, aber das ist auch richtig so; es dürfte eh keine rechtliche Grundlage für solche Forderungen geben, alles nur leeres Gewäsch vom CDU-Fraktionsvize, der offenbar nie wieder nur ein Hinterbänkler aus der Provinz sein möchte und seinen Namen in Berlin für größere Aufgaben ins Spiel bringen will.
Herr Bosbach, Ihr populisches “selber schuld” herumgestänkere nervt langsam kollossal. Können Sie sich vorstellen, daß ein Mensch wie Susanne Osthoff, der vierzehn Jahre lang in einem Land einem Land lebt, dort vielleicht bleiben will? Ganz abgesehen von den sinnvollen Dingen, die Susanne Osthoff dort getan hat.
Und die beiden deutschen Techniker? Verzichtet Deutschland jetzt auf Öl aus dem Irak, weil es da zu gefährlich ist? Oder sollen nur Nicht-Deutsche das Öl aus dem Boden holen?
Und wo schon die deutsche Regierung seit Jahren so viel Kaufkraft und Optimismus von den Bürgern absaugt, muß sie ja froh sein, daß wenigstens im Export noch verdient wird. Dazu gehört auch, daß man ins Ausland fährt.
Und wenn jemand entführt wird, dann kann man wohl erwarten, das die Behörden und Sicherheitskräfte einfach die Arbeit tun, für die sie bezahlt werden, und das diskret und professionell.
Das beste, was die Politik jetzt tun könnte, wäre das von ihr eingeführte Kopfgeld für deutsche Geiseln in aller Welt zurückzunehmen, indem ein Gesetz beschlossen wird, das es dem Staat grundsätzlich verbietet, Lösegeld zu zahlen.
Das offenbar vorhandene Geld könnte dann stattdessen als Kopfgeld für die Ergreifung der Täter, für private Befreiungskommandos oder Hilfe für die Angehörigen verwendet werden, falls es schiefgeht.
Auf keinen Fall aber gehört mein Steuergeld in die Hände von irakischen Kriminellen, die damit bestimmt nicht zur Verbesserung der Situation im Land beitragen.
Tron und Wikipedia oder "Von Soziopathen im Internet"
Ich bin großer Fan der Wikipedia, ich nutze sie fast täglich, und bin oft überrascht von der Aktualität und Umfang. Insbesondere bei technischen Themen, aber auch in Wissenschaft, Politik und Geschichte bietet sie großartige Einstiege und Überblicke, und oft sogar Problemlösungen. Das alles wäre nicht möglich ohne die vielen aktiven Nutzer und insbesondere die admins, die sehr viel Lebenszeit dafür aufwenden, wie Gärtner in einem Park diesen von Müll zu säubern, mutwillige Zerstörungen zu reparieren, Schmierereien zu entfernen, Randalierer vor die Tür zu setzen und dabei die Wissenspflanzen zu hegen und päppeln, bis sie vielleicht zu stolzen Bäumen heranwachsen und die vielen Besucher erfreuen, die jeden Tag vorbeikommen, so wie ich.
Eigentlich ist es ein kleines Wunder, dass die Wikipedia so gut gedeiht und funktioniert, bei all den Konflikten, Meinungsverschiedenheiten und gegensätzlichen wirtschaftlichen Interessen in der Welt draußen, deren Abbild die Wikipedia ja ist. Die Wikipedia ist aber nicht nur Abbild, sie wirkt auch stark zurück in die Welt, und das langfristig. Ein Zeitungsartikel gerät regelmäßig nach Tagen bereits in Vergessenheit, ein Buch meist nach Jahren, aber ein Artikel in der Wikipedia lebt, verändert sich mit der Zeit und wird so in hundert Jahren noch immer uralte Teile enthalten. Die Wikipedia ist eine echte kulturelle Großtat, wie die Bibliothek von Alexandria. Was in der Wikipedia steht, hat Gewicht. Nun bin ich mitten in einen Konflikt hineingeraten, der mit der Wikipedia zusammenhägt und viele meiner Freunde betrifft. Es geht dabei um die Nennung des vollen Namens von Boris F. im Artikel über Tron in der Wikipedia. Tron war ein Hacker und starb 1998. Er beging wahrscheinlich Selbstmord, aber auch ein Mord wird sich niemals hundertprozentig auschließen lassen, das liegt in der Natur der Sache, denn es gibt ihn durchaus, den perfekten Mord. Aber wie gesagt, ich persönlich neige eher zu der Selbstmordthese. Auf jeden Fall ist das alles eine sehr tragische Geschichte. Ich kannte Tron, aber nicht sehr gut. Er kam mir schon recht sonderbar vor; nicht unsympathisch, aber irgendwie auf einer anderen Wellenlänge unterwegs als die meisten anderen Menschen die ich kenne, und ich kenne eine Menge seltsamer Leute. Auf jeden Fall hat sein Tod mich damals sehr betroffen gemacht, und auch ich habe mich gefragt, ob ich etwas hätte tun können, seinen viel zu frühen Tod zu verhindern. Wenn er sich umgebracht hat, hätte mehr Zuwendung geholfen? Wenn er umgebracht wurde, hätte man ihn von den falschen Leuten fernhalten können? Ich stand ihm nicht so nahe, als das ich mich allzu schuldig hätte fühlen müssen, aber wenn selbst ich mich schlecht gefühlt habe, wie muss es bei denen gewesen sein, die ihm näher standen? Andy zum Beispiel, aber vor allem natürlich seine Eltern. Das einzige Kind zu verlieren, wenn es gerade 26 Jahre alt geworden ist, gehört sicher zu dem schlimmsten, was Eltern erleben können. Ich selbst habe meinen Vater durch eine Gewalttat verloren und erinnere mich noch gut an die ersten verzweifelten Monate danach, aber um wie viel schlimmer muss es sein, was die Eltern durchgemacht haben, und leider noch immer durchmachen müssen. Seit neuestem rufen bei den Eltern Menschen an, die „Boris, Boris“ ins Telefon rufen oder sie wüst beschimpfen. Ich könnte kotzen. Leider müssen die Eltern ans Telefon gehen, sie haben ein Reisebüro und leben davon, ans Telefon zu gehen. Ihr Name ist sehr selten in Deutschland, so dass der Name völlig ausreicht, Adresse und Telefonnummer zu ermitteln. In die Anonymität abzutauchen würde ihre wirtschaftliche Existenz unmöglich machen. Nach dem Sohn auch die Existenz verlieren, das fehlte gerade noch. Und sie werden sicher nicht jünger. Ich kenne Leute, die nach dem Verlust eines engen Angehörigen in Monaten um zehn Jahre gealtert sind. Für die Leute, die bei den Eltern eines toten Sohnes anrufen, um sie zu beschimpfen, gibt es sogar einen wissenschaftlichen Namen: Soziopathen.Die Wikipedia nennt als Merkmale einer dissozialen Persönlichkeitsstörung:
- Unfähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen
- Unfähigkeit zur Verantwortungsübernahme, gleichzeitig eine klare Ablehnung und Missachtung sämtlicher sozialen Normen, Regeln und Verpflichtungen
- Unfähigkeit, längerfristige Beziehungen aufrechtzuerhalten, jedoch keine Probleme mit der Aufnahme frischer Beziehungen
- Geringe Frustrationstoleranz, Neigung zu aggressivem und gewalttätigem Verhalten
- Fehlendes Schuldbewusstsein
- Unfähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen.
Und: „Zusammenfassung: Die heutige Bedeutung des Begriffes Soziopath bezieht sich auf Personen, die nicht bzw. nur einschränkt dazu fähig sind, Mitleid zu empfinden, sich nur schwer in andere hineinversetzen können und die Folgen ihres Handelns nicht abwägen können.“
Vielleicht erkennt sich der eine oder andere Akteur ja wieder. Sicher sind nur die wenigsten Menschen echte Soziopathen, aber das Internet, die mutmaßliche Anonymität dort und die meist fehlenden Emotionssignale bei der Kommunikation im Internet scheinen soziopathisches Verhalten im Internet stark zu befördern, und umgekehrt die Nachteile, die Soziopathen im persönlichen Umgang mit anderen Menschen haben, zu verringern. Ein gutes Beispiel dafür ist der Umgang mit der Nennung von Trons vollem bürgerlichen Namen in der Wikipedia. Ganz egal, wer wo Recht hat, wenn die Eltern von Tron ein Problem mit der Nennung haben, dann kann man das nicht wegdiskutieren. Fakt ist: Die Eltern haben ein Problem damit. Es macht sie unglücklich. Das ist ein Fakt. Und jeder einzelne Tag an dem der Name dort steht zeigt ihnen, das die Menschen im Internet, „die Wikipedia“, sich einen Dreck darum schert, wie sie sich fühlen. Ich behaupte, den meisten Leuten auf dieser Welt oder auch nur in Deutschland ist es komplett egal, wie Boris F. mit vollem Namen heißt. Die Nennung des Namens in der Wikipedia hat auf dieser Welt wohl kaum jemanden nennenswert glücklich gemacht, außer vielleicht den Wikipedia Benutzer MA5, der am 25. Juni 2005 um 4:09 den vollen Namen in den Wikipedia-Artikel eingetragen. Er hat sich sicher gut gefühlt, diese Wissenlücke gestopft zu haben. Und war sicher stolz auf sich. Der Account des Benutzers MA5 wurde am 14. Dez. 2005 hat auf eigenen Wunsch gesperrt, das entspricht im Prinzip einer Löschung, da in der Wikipedia ein Löschen eines Accounts nicht möglich ist. MA5 möchte entweder anonym bleiben, oder er will nicht mehr mitmachen. Ich tippe auf ersteres, und das verstehe und respektiere ich. Nicht jeder fühlt sich wohl dabei, sich unter seinen realen Namen der Welt zu präsentieren, und insbesondere über das Internet, wo besonders viele Soziopathen aktiv sind. Ich bewundere den Mut und das Geschick der Leute, die im Internet mit ihrem realname unterwegs sind und gut damit klarkommen Wie soll das jetzt alles weitergehen? Hier sind vier Szenarien, die ich mir ausgemalt habe, alle halte ich nicht für umöglich: Szenario 1: Die Eltern gewinnen vor Gericht, die Wikipedia respektiert das Gesetz wie beim Copyright auch, und der Name kommt raus. Soziopathische Wikipedia Anhänger terrorisieren weiter die Eltern, und es gibt immer wieder Versuche von einzelnen, den Namen irgendwie reinzubringen. Es entstehen haufenweise Mirrors und Websites, die den Namen vorhalten. Anwälte der Eltern bringen den DMCA oder irgendein anderes amerikanisches Gesetz ins Spiel und zwingen Google, Seiten mit Suchanfragen mit dem Nachnamen drin nicht anzuzeigen, aber es werden technische Umgehungsmaßnahmen gefunden. Von Spenden aus dem Solidaritsfond für die Eltern werden massenweise take-down notices an provider verschickt, mit Teilerfolgen, aber der Name bleibt im Netz. Viele Leute verwenden viel Zeit damit, den Krieg jahrelang weiterzuführen. Hier dann flammen Auseindersetzungen auf. Bürgerkrieg in und um das Internet. Szenario 2: Die Eltern verlieren vor Gericht. Der Name bleibt in der Wikipedia. Die Eltern klagen weiter. Sie werden verlieren erneut. Sie geben irgendwann auf, machen ihr Geschäft zu, ziehen weg, ändern ihren Namen. Szenario 3: Die Eltern gewinnen vor Gericht. Wikipedia ignoriert die Entscheidung. Der deutsche Wikimedia-Verein wird aufgelöst, das Vereinsvermögen wird als Ordnungsgeld vom Staat einbehalten. Die deutsche Wikipedia-Szene spaltet sich. In den USA bleibt der Name zunächst drin. Irgendwann gerät aber ein Gerichtbeschluß in den USA in die Hände einer übereifrigen Behörde, die das Datacenter in Florida stürmt und die Server beschlagnahmt und erst mal wochenlang irgendwo einlagert. Überall auf der Welt schießen Wikipedia-Mirrors aus dem Boden, aber nicht überall klappt es, die user accounts und andere Metadaten zu übernehmen. Die wikipedia community fragmentiert sich, die Arbeit kommt für Wochen zum erliegen. Irgendwann laufen die Server wieder, ohne den Name, alles normalisiert sich langsam, aber nicht alle Wikipedianer machen weiter. Die Eltern allerdings sind längst untergetaucht, weil sie die Anfeindungen der Internet-Soziopathen nicht länger ertragen haben. Szenario 4: Die Wikipedia nimmt den Namen noch vor der Verhandlung raus. Die Eltern ziehen ihren Antrag zurück. Es gibt keine Gerichtsentscheidung. Die admins passen auf, das der Name draußen bleibt, so wie sie jetzt gerade aufpassen, dass er drinbleibt. Szenario 1 halte ich für das wahrscheinlichste, Szenario 4 würde ich mir wünschen. Für alle. P.S.: Es gibt auch noch ein echtes Horrorszenario: Jemand verbreitet die Realnamen, Adressen und Telefonnummern der Wikipedianer, die dafür gesorgt haben, das der Name reingekommen ist. Eine Gruppe von soziopathischen Spinnern terrorisiert diese Wikipedianer. Dabei treffen sie zwangläufig auch Verwandte, Mitbewohner und andere Unbeteiligte, die dadurch belästigt werden. Was dann folgen würde, möchte ich mir lieber nicht ausmalen.Volksverteterquiz
Die bundesrepublikanischen Volksvertreter der 15. Legisllaturperiode sind natürlich in aller Pracht im Web vertreten; auch die der 13. und 14. Periode sind so nett aufbereitet. Da stehen Dinge drin, auf die bei Jauch oder Pilava kaum einer kommen würde, jedenfalls ich nicht:
In welcher Stadt wurde Angela Merkel geboren? a4c49ea158d5f5a433ffc051d6642782 Ja, die Antwort ist Hamburg. Von 601 Abgeordneten, wieviele sind älter als 50 Jahre? 7b81556a626b476523d5f1cc81001b49 Laut Statistik sind es 408; nur eine Zweidrittelmehrheit.Einen machen wir noch: Wie viele Mitglieder des Bundestags gehören der Religionsgemeinschaft des Islam an? 81d43e0a8455e00dd2b8df4535b39753 Es sind zwei Frauen, Lale Akgün (SPD) und vermutlich Ekin Deligöz, Grüne. Es gibt ausserdem 12 Konfessionslose und 1 Atheisten, alle anderen sind evangelisch (226) oder katholisch. (190)
Und nun die persönliche Frage für politisch Interessierte: Wie heisst der MdB Deines Wahlkreis? Meiner ist der hier, ein Ex-Bezirksbürgermeister aus dem Wedding (womit haben die Bewohner von Mitte das verdient?), der sich gut mit den französischen Besatzern verstanden haben muss, jedenfalls hat Ihm der französische Präsident einen Orden verliehen. Ritter der Ehrenlegion, klingt gar nicht schlecht; gibt aber 87,371 Menschen, die diesen Orden bekommen haben. Wofür der Orden war, weiss ich nicht; wenn es dafür war, das Deutsche und Franzosen im jeweiligen Nachbarland echt beliebt sind, soll es mir recht sein.
Nickel-Metallhydrid Akkus
…in Form von AA oder AAA Standardbatterien sind eine feine Sache; von der Kapazität her kommen sie mittlerweile praktisch an Einweg-Alkali-Batterien heran; eine Mignonzelle (AA) erreicht als Alkalibatterie höchstens 3000mAh, NiMh-Akku inzwischen bis zu 2500 mAh. Alkali-Batterien sind aber nicht hochstromtauglich, bei 5oo mA Stromentnahme halbiert sich die Kapazität, bei 1A bekommt man nur 500 mAh raus, also gerade mal eine halbe Stunde Strom, ganz im Gegensatz zu den Akkus, die auch bei so hoher Leistungsentnahme über 2 Stunden halten. Akkus haben aber eine temperaturabhängige Selbstentladung von 1 - 5% pro Tag, was einer Halbwertszeit von 10 - 100 Tagen entspricht, Alkali-Batterien haben dagegen eine Halbwertzeit von 10 bis 100 Jahren; sie sind also für Uhren und andere Wenigverbraucher besser geeignet.
Bislang habe ich aber mit Standardbatterien als Akkus vor allem aus einem Grund wenig Spass gehabt: meine Ladegeräte hatten in der Regel eine oder zwei rote oder grüne Dioden, die anzeigen, das die Batterien geladen werden oder voll sind; leider reichen die übermittelten Informationen in vielen Situationen nicht aus; beispielsweise variiert die Nennkapazität einer Batterie je nach Modell zwischen 800 und 2500 mAh; wenn nun ein 2500 mAh-Akku nur 1000 mAh bringt, ist er in Reihe mit 2500mAh-Batterien nicht gut einsetzbar. Ein Ladegerät mit Lämpchen hilft da selbst dann nicht weiter, wenn es perfekt funtioniert. Kurzum, ein Ladegerät nur mit Lämpchen in Verbindung mit der Nutzung vieler verschiedene Akkus führen dazu, das immer wieder ein Satz Akkus nach kürzester Zeit leer ist und man nicht genau weiss warum, alle wieder ins Ladegerät steckt und man irgendwann die Lust verliert. Vor einigen Wochen ein Ladegerät fiel mir bei Conrad-Elektronic ein Ladegerät zum stolzen Preis von 59,95€ in die Hände, dem ich nicht wiederstehen konnte. (Nach LADEGERÄT BC-900 suchen, Artikel-Nr.: 512064 - ZA).
Endlich mal wieder ein Produkt, wo mal jemand nicht nur mitgedacht hat, sondern mehr in die Schachtel gepackt hat, als ich erwartet hatte. Vier Ladeschächte für Mignon- und Microzellen, und zu jedem Schacht ein dreistelliges numerisches LCD , das in der Lage ist, Spannung, Strom, Kapazität und Zeit anzuzeigen. Das beste Feature an diesem Gerät ist der Test Mode: Zunächst wird der Akku vollgeladen, dann entladen und schliesslich wieder vollgeladen. Beim Entladen wird der Strom gemessen, so das am Ende die tatsächliche Kapazität angezeigt werden kann: Endlich ein Ladegerät, das anzeigen kann, wieviel die Energie ein Akku tatsächlich liefern kann. Jeder neu gekaufte Akku wird von mir also erst mal im Charge/DischargeTest/Charge-Modus gefahren. Dabei kommt dann meist raus, das die wenigsten Akkus die aufgedruckte Nennkapazität erreichen. So erreicht etwa zwei Conrad Energy 2300mAh - Akkus, die ich gerade geladen habe, 2130 und 2190 mAh, also 5-7% weniger; in seltenen Fällen gibt es auch einzelne Akkus, die über dem Nennwert liegen; ich hatte aber noch nie eine 4er Packung, wo mehr als eine Batterie drüber lag. Aber egal, endlich habe ich ein Gerät, das mein Vertrauen in Akkus soweit erhöht hat, dass ich sie jetzt mit gutem Gefühl nutze. Und dann war bei dem Ladegerät noch eine brauchbare Tasche, 4 Mignon und 4 Microzellen sowie 4 Adapter, mit denen man eine Mignonzelle zu einer Baby- oder Monozelle machen kann, dabei. Verbesserungswürdig, wenn auch akzeptabel, ist das User-Interface, das die Auswahl der Ladestromstärke nur in den ersten fünf Sekunden nach dem Einlegen der Batterie zulässt. Insgesamt aber eine kleine Anschaffung, die praktisch ist und mir Freude macht. Genauso wie mein Trockenbatterietester für ein paar Euro, mit dem ich herumliegende Batterien in Sekundenschnelle in Batteriemülleimer oder Batterievorrat einordnen kann.